Winter: damals und heute

In meinen 43 Jahren habe ich schon viele Winter erlebt. Es gab milde und harte Winter, allerdings auch welche die nur Winter hießen, obwohl es keine waren.

Im Winter 1978/79 war ich 12 Jahre. Zwischen den Tagen bin ich nach Frankfurt geflogen und bekam den ersten

Schneesturm gar nicht mit. Klar habe ich mit meinen Eltern telefoniert aber live dabei war ich nicht. Da ich aber im Januar wieder zurück nach Hamburg  musste, erlebte ich die Katastrophe dann doch mit. Ich weiß noch: meinen Flug der eigentlich am 2.1. gebucht war, konnte ich nicht wahrnehmen. So blieb ich länger in Frankfurt, mir ging es nicht gut, mit meinem Asthma vertrug ich die Luft in Frankfurt nicht gut und ich brauchte viele Medikamente.

Sobald der Flughafen wieder frei war, flog ich nach Hamburg zurück. Der eigentliche Wahnsinn begann aber erst hier. Mein Vater holte mich ab und wir fuhren mit der Bahn nach Schleswig. Die Diesellok fuhr mit uns durch den Schnee. Bis wir in Schleswig waren, hat es einiges an Zeit gedauert. In Schleswig angekommen ging es spannend weiter. Eigentlich herrschte ein Fahrverbot für Autos. Mein Vater hatte jedoch eine Genehmigung  mit dem Auto zu fahren. Allerdings durfte er nun aber nicht bis zum Schleswiger Bahnhof fahren. So parkte unser Auto im anderen Teil der Stadt, oben bei Real (für die, die Schleswig kennen.) Vom Real Parkplatz nach Füsing sind es einige Kilometer, so etwa 6 bis 8. Da an dem Tag Eisregen herrschte brauchten wir sehr lange. Nach vielen Stunden bin ich dann von Frankfurt zu Hause

angekommen.

Es war Wahnsinn: diese Schneemassen die wir in Füsing hatten. Meine Mutter erzählte mir das sie Schafe gerettet hatten, die auf den überfluteten Auwiesen standen. Sie hatten schon einige Häuser der Nachbarn vom Schnee befreit, so dass diese wieder zugänglich waren  und wie sich alle gegenseitig geholfen haben. Lebensmittel wurden geteilt. Strom hatten wir zum Glück. Die Schleidörferstrasse wurde  durch Panzer vom Schnee befreit. Diese waren damals noch „auf „der Freiheit“ stationiert. Jener  Winter war wirklich schlimm, vor allem weil der Schnee nochmal zurück kam.

Den zweiten Schneesturm erlebte ich dann live mit und es war wieder schlimm. Der Winter hatte auch tolle Seiten wir hatten eine Woche länger Weihnachtsferien und später hatten wir nochmal eine Woche schneefrei.  Vor allem erinnere ich mich an die Iglus, die wir in die Schneewehen gebaut haben. Man konnte in den Iglus stehen, weil die Schneeverwehungen so hoch waren. Das war für uns Kinder damals natürlich ein Riesenspass.

Später kamen auch noch harte Winter, aber so schlimm wie der, waren sie alle nicht. Hier oben in Angeln, Schwansen oder auch in Nordfriesland ist es jedoch schon immer anstregend, da wir meistens zum Schnee auch Sturm bekommen. Vor allem Oststurm ist immer nicht so gut. Wir haben hier viele freie Felder und nur wenige Hügelchen. Sobald es auch nur etwas schneit und wir Wind dazu bekommen, dauert es nie lange und die Strassen sind zu geweht. Vor allem die Strassen die von Nord nach Süd führen . So passiert es das unser Dorf ganz schnell nicht mehr zu erreichen ist.

Es gibt ja viele, die es albern finden, wenn die Kinder heute wegen etwas Schnee schulfrei bekommen. Ich befürworte es. Die Sicherheit der Kinder geht nun einfach einmal vor. Vor allem weil die Busgesellschaften hier bei uns nicht sehr verlässlich sind. Die Verkehrsbetriebe in Schleswig schaffen es nicht einmal, aktuell auf Ihrer Seite zu informieren.

Was mich allerdings sehr verwundert sind jetzt solche Meldungen wie: das Streusalz wird nicht reichen. Oder am schlimmsten: das Benzin wird knapp. Solche Meldungen sind Panik mache und dienen nur der Industrie.

Ach und übrigens: früher haben die Leute genauso viel, wie heute  über den Winter gejammert, aber da bekam man es nicht mit, weil es eben noch kein Internet, kein Twitter oder Facebook gab. Damals konnte man froh sein, wenn man ein Telefon hatte.